Museen als Sinnesanregung für Menschen mit Demenz

Mit ihren vielfältigen Objekten sind Museen wertvolle Erinnerungsorte für Menschen mit Demenz und können ihnen schöne Erlebnisse ermöglichen. Besonders kleine Heimatmuseen können zu einem breiten Kulturangebot für Menschen mit Demenz im ländlichen Raum beitragen. Neben Besuchen in den Museen sind mancherorts auch mobile Angebote mit dem Museumskoffer für Pflegeeinrichtungen möglich.

Über die Jahre wurden etliche Museen in Schleswig-Holstein für demenzsensible Angebote geschult. Auch wenn nicht alle Häuser derzeit Angebote haben, sind doch viele dem Thema sehr aufgeschlossen, tauschen sich weiter aus und würden sich für die Umsetzung über Unterstützung durch engagierte Menschen freuen.

Ihre Ansprechpartnerin für Schulung, Beratung und Netzwerk:

Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein
Cornelia Prepernau
Tel. 040 – 23 83 044 29/ prepernau@demenz-sh.de

Geschulte Museen:

Teilnehmende Museen und ihre Angebote

Nicht alle geschulten Museen bieten aktuell Veranstaltungen oder spezielle Führungen für Menschen mit Demenz. Bei einigen Häusern sind die Angebote fest im Programm integriert, bei manchen kann man individuell anfragen. Schauen Sie in unsere kurze Übersicht und scheuen Sie sich nicht, auch bei anderen Museen und Kulturstätten einfach nachzufragen.

 

Aufgeweckte Kunstgeschichten auf dem Museumsberg Flensburg

Menschen mit Demenz erfinden im Museum gemeinsam Geschichten zu Kunstwerken.

Kunstkenntnisse sind dabei nicht erforderlich. Vielmehr geht es um die Aktivierung von noch vorhandenen Fähigkeiten vor einem Bild. Erinnerungen und Assoziationen werden geweckt, Erfahrungen aus der Kindheit und Jugend kommen ins Spiel, die Phantasie wird angeregt. Durch behutsame Fragen werden die Teilnehmer/innen aktiviert und gefördert. Trotz zunehmender Gedächtnisprobleme und Wortfindungsschwierigkeiten erfahren die Beteiligten Erfolgserlebnisse, die Freude auslösen. Der respektvolle Umgang mit Menschen mit Demenz und das Erlebnis eines Museumsbesuchs stärken das Selbstwertgefühl.

Vor einem ausgewählten Kunstwerk wird das Augenmerk auf die vorhandenen Fähigkeiten gelenkt. Die spontanen Äußerungen, Eindrücke und Empfindungen der Teilnehmer/innen werden ,,nebenbei“ zu einer Geschichte verflochten. Die Freiheit, alles ausdrücken zu dürfen führt zu erstaunlichen ,,Aufgeweckten Kunstgeschichten“, die nach der Bildbetrachtung beim gemeinsamen Kaffee und Kuchen vorgelesen wird. Termine und Informationen über die Webseite der Alzheimer Gesellschaft Flensburg und Umgebung e.V.

 

Museum Tuch + Technik – Textilmuseum in Neumünster

Führungen für Menschen mit Demenz zu den Objekten der Dauer- und Sonderausstellung können individuell angefragt werden. Die Objekte dienen hier als Impuls zum gemeinsamen Erinnern, Assoziieren und Staunen. Außerdem kann ein Museumskoffer mit Objekten zur Textilgeschichte ausgeliehen werden.

Weitere Informationen finden Sie hier. Kontakt: 04321 – 5595810

Naturkundemuseum Niebüll
Weitere Infomationen folgen in Kürze

Heimat- und Handwerksmuseum Wahlstedt e.V.
Weitere Informationen folgen in Kürze

Industriemuseum Elmshorn
Weitere Informationen folgen in Kürze

KOLK 17 gGmbH Figurentheater und Museum
Weitere Informationen folgen in Kürze

Museen mit weiteren Angeboten:

– Museum Kunst an der Westküste
– Stormansches Dorfmuseum Hoisdorf
– Steinzeitpark Dithmarschen, Albersdorf

 

Zur Geschichte des Projektes

Museen sind mit ihren Schätzen und Sammlungen perfekt für die Arbeit mit Menschen mit Demenz: Gegenstände, Bilder, Gerüche und Geschichten bieten eine gute Möglichkeit, Erinnerungen wachzurufen und Gespräche anzuregen. Biografische Angebote lösen positive Emotionen aus, stärken das Selbstbewusstsein und wirken identitätsstiftend.

Schon 2012 bot das Kompetenzzentrum Demenz unter dem Motto „Wir erleben Kultur und Natur“ kulturelle und naturkundliche Ausflüge für Menschen mit Demenz in Schleswig-Holstein“. Eine entsprechende Handreichung mit Tipps für die Gestaltung solcher Angebote und mögliche Ausflugsziele wurde 2015 in Kooperation mit der Diakonie Altholstein veröffentlicht.

Von 2019 – 2025 lief das Projekt „Museen als Sinnesanregung für Menschen mit Demenz“ in Kooperation mit der Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein weiter.
Durch finanzielle Unterstützung der NDR-Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ wurde ein Schulungsprogramm und ein regelmäßiger Austausch aufgebaut sowie ein Museumskoffer für die mobile Zurschaustellung ausgewählter Exponate verteilt.
Circa 40 Museen wurden in dem Zeitraum demenzsensibel geschult und zu eigenen Angeboten angeregt. Nicht jedem Museum war die Umsetzung vor Ort möglich und die Corona-Jahre oder Personalwechsel machten manchen Angeboten den Garaus.

Seit 2026 arbeitet das Kompetenzzentrum Demenz an einer neuen Übersicht und einer Wiederaufnahme des Austausches im Netzwerk der geschulten und interessierten Museen.

Museum_Demenz

(Foto)
© Olaf Malzahn, Lübecker Museen,
Behnhaus Drägerhaus

 

Museumsführungen

Menschen mit Demenz können in Begleitung von Angehörigen und/oder Betreuungspersonal eine schöne Zeit im Museum verbringen.

In einer angenehmen Atmosphäre werden interaktive Führungen von geschultem Personal angeboten. Durch den Einbezug aller Sinne und den Einsatz biographischer Anekdoten wird Kunst und Kultur für Menschen mit Demenz erlebbar gemacht.

Mobiles Museum im Koffer

Das mobile Museum im Koffer ermöglicht es, Gegenstände aus dem Museum ortsunabhängig wahrzunehmen.

Die Koffer können kostenlos von Pflege- und Betreuungseinrichtungen ausgeliehen und flexibel bei der Arbeit mit den Bewohner/-innen, z.B. in Form eines kulturellen Nachmittags im Pflegeheim, eingesetzt werden. Einige Museen bieten zusätzlich einen Besuch bei Institutionen vor Ort an, um das Museum dort mit Hilfe des Koffers interaktiv vorzustellen zu können. Im Museum ausgepackt, erspart der Koffer außerdem lange Wege zu den jeweiligen Exponaten.

Berichterstattung in den Medien

Der Holsteinische Courier berichtete am 13. Mai 2019 über die Auftaktveranstaltung des Projektes im Museum „Tuch + Technik“ in Neumünster unter dem Titel „Erinnerungen helfen gegen Demenz“.

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Buchtipps

Zum Abschluss des Projektes „Erinnerungs_reich – Museen als Medizin für Menschen mit Demenz und Kulturelle Teilhabe NRW“ der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und Kooperationspartnern ist im März 2025 ein Leitfaden „Durchführung von demenzsensiblen Kunstvermittlungsangeboten in Museen“ (pdf) entstanden.

Das Netzwerk „Demenz und Kulturelle Teilhabe NRW“ bietet mit der Broschüre „Kultur-Impulse – Anregungen für niedrigschwellige KulturAktivitäten mit Menschen mit Demenz“ (pdf) Tipps für leicht umsetzbare Aktivitäten in Gruppen oder in der Betreuung und Begleitung zu Hause. (2024)

IBK-Handbuch zur künstlerisch-kulturellen Praxis mit Menschen mit Demenz
Flavia Nebauer / Kim de Groote (2012): Auf Flügeln der Kunst.
Ein Handbuch zur künstlerisch-kulturellen Praxis mit Menschen mit Demenz. kopaed, München. 16,80 Euro, ISBN 978-3-86736-324-2

Inhalt:
Kunst und Kultur beflügeln – auch Menschen mit Demenz. Ihnen schöne Erfahrungen bei künstlerisch-kulturellen Aktivitäten zu ermöglichen, sie gemeinsam mit ihren Angehörigen am Kulturleben ihrer Stadt teilhaben zu lassen, erfordert kompetente Begleitung. Voraussetzung ist eine gute Vorbereitung der künstlerisch-kulturellen Praxis. Dieses Handbuch soll dabei Hilfestellung leisten. In einer Bestandsaufnahme geht es um die Fragen: Welchen Stellenwert haben Kunst und Kultur derzeit in der Begleitung von Menschen mit Demenz und wie wird dem Bedürfnis nach sinnvoller Beschäftigung und Selbstausdruck von Seiten der verschiedenen Bezugs- und Berufsgruppen entsprochen? Es folgen „Wissensbausteine“ zum Krankheitsbild der Demenz und den Konsequenzen für die künstlerisch-kulturelle Praxis, zur Beziehungs- und Kommunikationsgestaltung sowie zu der Bedeutung und wissenschaftlich belegten Wirkung von Kunst und Kultur. Zahlreiche deutsche und internationale Praxisbeispiele aus den Bereichen Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Musik, Museum, Literatur und Medien sollen Anregungen geben, selbst initiativ zu werden und Kunst und Kultur in den (Pflege-)Alltag zu integrieren.

Das Handbuch richtet sich an Kulturpädagogen, Künstler und Kultureinrichtungen, Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen, im Sozialbereich und der Altenhilfe sowie Angehörige und Betreuende im häuslichen Umfeld.
Weitere Informationen

Broschüretipp – April 2015:
Aktive Teilhabe von Menschen mit Demenz an Kultur und Natur – Ideen und Anregungen

Aus den Erfahrungen der durch das Kompetenzzentrum Demenz durchgeführten Museums- und Wildparkbesuchen ist in Zusammenarbeit mit der Diakonie Altholstein eine Handreichung entstanden. Sie richtet sich an professionelle und ehrenamtliche Begleiter von Menschen mit Demenz, sowie an Organisationen aus dem Kulturbereich, die sich dieser Zielgruppe öffnen möchten. Wir möchten damit Begleitende anregen, gemeinsam mit Menschen mit und ohne Demenz Kultur und Natur zu genießen.

Beispiele aus der Region und Durchführungstipps veranschaulichen praxisnah, was möglich ist und woran gedacht werden sollte.
Die 28-seitige Broschüre kann hier heruntergeladen werden.