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Entwicklung der Erkrankung

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Demenz hat viele Gesichter
Bei der Erkrankung spielen Stadien und Verläufe, aber auch die Persönlichkeit, deren Biografie und deren aktuelle Lebensbedingungen eine Rolle. So ist immer nur eine generelle Beschreibung möglich. Trotzdem gibt es viele typische Anzeichen. Demenzen entwickeln sich in der Regel schleichend. Rückwirkend betrachtet gibt es häufig einen Vorspann von 10 – 20 Jahren, in denen die Personen aus dem Gleichgewicht geraten, es ihnen jedoch recht gut gelingt, Einbußen zu kompensieren.

Je früher im Leben die Krankheit beginnt, desto rascher ist in der Regel ihr Verlauf. Die Dauer der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Die Verluste nach innen und außen können in 3 Stadien eingeteilt werden: die frühe, die mittlere und die späte Phase.

Frühphase der Demenz
Das frühe Stadium wird auch manchmal als „Welt der Erfolgslosigkeit“ bezeichnet.
Auch wenn Frühbetroffene die Schwere der Beeinträchtigung und deren Auswirkungen nicht unbedingt adäquat beurteilen können, sind sie sich über das Nachlassen ihrer Leistungsfähigkeit meist bewusst und dadurch verunsichert, beschämt oder wütend. Sie versuchen oft, die Krankheit zu vertuschen und ihre Fassade zu wahren. Das geschieht z.B. durch Bagatellisieren, Ausreden oder Anschuldigungen.

Auffällig sind im Anfangsstadium die Störung des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit. Der „Arbeitsspeicher“, zuständig für die Verknüpfungen, funktioniert nicht mehr zuverlässig. Dadurch lässt die Kombinationsgabe nach.

Es ist nicht möglich oder sehr schwer, Neues langfristig dazuzulernen. Die Konzentrationsspanne ist gering und die Ablenkbarkeit hoch. Erste Sprachstörungen, vor allem in Wortfindung und Ausdruck treten auf. Ebenso kann es zu Orientierungsstörungen (zeitlich, örtlich, situativ, zur Person) kommen. Wahrnehmens-, Verhaltens- und Erlebensstörungen können auftreten. Handlungen zu planen, Urteile zu fällen, Entscheidungen zu treffen und Probleme zu lösen bereiten zunehmend Schwierigkeiten. Das Handeln aus dem Impuls nimmt zu. Der Sinn für soziale Umgangsformen schwindet langsam. Ein Kontrollverlust über die eigenen Gefühle führt zu Stimmungsschwankungen und leichter Reizbarkeit.

Viele Frühbetroffene leiden unter einer innerlichen Vereinsamung, da keiner in ihre Erlebenswelt folgen mag, bzw. sie sich selbst aus Überforderung zurückziehen. Trotzdem ist eine große haltsuchende Anhänglichkeit da. Häufig liegt eine Antriebsschwäche vor. Es fällt schwer, sich selbst zu beschäftigen. Ein allgemein nachlassendes Körpergefühl (z.B. bei Berührungen, Hitze oder Kälte, Hunger oder Durst) und mangelnde Informationsverarbeitung führen zu Fehleinschätzungen von Gefahren und inadäquaten Reaktionen. Präzise Äußerungen z.B. über Schmerzen sind nicht mehr möglich.

Mittlere Phase der Demenz
Im mittleren Stadium, auch als „Welt der Ziellosigkeit“ bezeichnet, stellen sich zunehmend Einschränkungen bei der Bewältigung des Alltags ein. Funktionsweisen von Gegenständen und Räumen verlieren ihre Bedeutung. Die räumliche Orientierung lässt weiter nach. Die Sprachstörungen werden ausgeprägter. Die Auffassungsgabe reicht auch für einfache kurze Mitteilungen nicht aus. Die Selbstpflege überfordert. Das Handeln aus dem Impuls überwiegt. Es fällt den Betroffenen schwer, zu erkennen in welcher Situation was angebracht ist. Der Sinn für Eigentum oder Privatsphäre schwindet. Die Umwelt erscheint chaotisch. Wirklichkeitsfremde Überzeugungen stellen sich ein. So meinen die Betroffenen häufig, bestohlen oder betrogen worden zu sein. Es kann zu eventuell angstauslösenden Verkennungen wie Fehldeutungen von Schatten, Bewegungen, Geräuschen oder der Verwechslung von Fernsehbildern mit der Wirklichkeit kommen. Echte Halluzinationen, bei denen Dinge oder Lebewesen gesehen oder gehört werden, die objektiv nicht da sind, sind seltener. Im Selbsterleben geschieht häufig ein Zurückfallen in frühere Zeiten. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft können keine Struktur mehr liefern. Auch das Unterteilen des Tages in Zeitabschnitte ist nicht mehr möglich. Der Tag- und Nachtrhythmus ist gestört. Es besteht in der Regel keine eigene Krankheitseinsicht. Die Betroffenen fühlen sich jung, dynamisch und im Vollbesitz ihrer Kräfte. Oft ist der Bewegungsdrang groß. Die Unruhe führt unter Umständen zu Aggressivität. Eine beginnende Inkontinenz tritt auf.

Spätes Stadium der Demenz
Im fortgeschrittenen Stadium, der „Welt der Schutzlosigkeit“, ist die Übernahme der Pflege und Hilfe im Alltag notwendig.
Auch das Langzeitgedächtnis ist nun betroffen. Selbst nahe Personen werden zum Teil nicht mehr erkannt. Die Sprache besteht nur noch aus wenigen Worten oder Lauten. Bewegungen oder Laute werden oft monoton wiederholt. Die Betroffenen haben häufig Angst vor dem Alleinsein. Aufgrund von Gangunsicherheit oder Bettlägerigkeit sind sie den sie umgebenden Reizen völlig ausgeliefert. Die Kontrolle über Blase und Darm geht verloren. Es besteht die Neigung zu Schluckstörungen, Krampfanfällen und Infektionen. Eine Lungenentzündung gilt als häufigste Todesursache.