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Umgang, Aktivierung und Milieugestaltung

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Jede Begegnung mit einem Menschen mit Demenz ist individuell und in der jetzigen Situation zu sehen. Trotzdem gibt es viele typische Situationen und hilfreiche Lösungsansätze im Umgang. Es kommt auf unser Wissen und vor allem auf unsere Haltung an.
Erlebnisfähigkeit und Gefühle der Erkrankten bleiben bis zum Tod erhalten!

Wir können durch Gestaltung von Lebensraum und Lebenszeit den Betroffenen ein genussvolles Leben im Hier und Jetzt ermöglichen. Stimmen Beziehung und Milieu muss es nicht zu einer Empfindung des Lebens als Aneinanderreihung von Verfehlungen und Verlustsituationen – ohne Ausgleichsmöglichkeit eines Gesunden durch positives Denken und logische Erklärungen für Scheitern – kommen.

Greta Wehner, deren Mann an Alzheimer erkrankt war, formulierte es so:
„Das beste Medikament ist die Zuwendung.“

Da medizinische Hilfe nur begrenzt möglich ist und der Erkrankte sein Verhalten wenig steuern kann, liegt es an uns, unser Gegenüber so anzunehmen, wie er ist. Druck oder logische Argumentation unsererseits sind nicht angebracht. Eigener Stress und Ungeduld wird von den Erkrankten sehr schnell gespürt. Die Folge: Verweigerung, es geht gar nichts mehr. Stattdessen ist es hilfreich, eigene Maßstäbe und Ziele zurückzustecken, solange keine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt (Sauberkeit der Wohnung, Wäschewechsel, Körperpflege, starre Gewohnheiten und Abläufe,…). In Situationen gefährlicher Selbstüberschätzung oder um die eigenen Kräfte zur Betreuung zu erhalten, ist es wiederum wichtig den Betroffenen Grenzen zu setzen. Eine klar geäußerte gefühlsmäßige Botschaft der Überforderung wird manches Mal erstaunlich gut angenommen.

Menschen mit Demenz brauchen eine stressfreie Atmosphäre.
Diese schaffen wir am besten indem wir Halt, Sicherheit und Orientierung bieten. Überforderung, Hektik, Reizwörter und Verbote sollten wir – wenn möglich – vermeiden. Aggressionen, Verweigerungshaltungen (70% der Fragen an einen Demenzkranken werden von ihm verneint) und Rückzugstendenzen der Betroffenen haben ihre Ursache meist in Verständnisschwierigkeiten, einem geringeren Verhaltensrepertoire und Scham. Diese Verhaltensweisen sind kein Angriff, sondern Selbstverteidigung. Indem wir uns den Ursprung der Haltung unseres Gegenübers bewusst machen, verhindern wir, diese persönlich zu nehmen. Stattdessen können wir gezielt versuchen, auf Ängste und Unsicherheiten einzugehen.

Menschen mit Demenz verlieren häufig die Fähigkeit, für eigene Ruhe und Entspannung zu sorgen.
Verlässlichkeit, Rituale und feste Strukturen sind für sie wichtig.

Von uns eher als zu monoton empfundene Abläufe bieten dem Erkrankten Sicherheit und Kompetenz durch gewohnten und teils vorhersagbaren Umgang. Um die Handlungsfähigkeit und das Selbstwertgefühl des Betroffenen zu steigern, können wir gezielt Identitätsbezüge schaffen und Schlüsselreize setzen. Dabei handeln wir stets im Rhythmus des Gegenübers, seine Tagesform bedenkend und an seinen Ressourcen orientiert.

Gedächtnisübungen sind zum Ausspielen von Fähigkeiten hilfreich. Sie sollen den Selbstwert steigern oder erhalten, aber nicht auf Leistungsverbesserung gedrillt sein. Es gilt zu fördern, nicht zu überfordern. Informationen lassen sich eher im täglichen einfließen, als dass sie abgefragt oder gepaukt werden sollten.

Lebensqualität und Wohlbefinden können wir durch angenehme, sinnvolle und Biografie bezogene Tätigkeiten unterstützen.
Wir können Kontakt und Zuwendung durch Blicke, Worte (Ansprache beim Namen, Aufmunterung, Lob und kurze bis längere Unterhaltungen) oder Berührungen (taktile Reize können einfach als angenehm empfunden werden, aber auch helfen, das nachlassende Körpergefühl zu stimulieren) herstellen. Dabei ist neben einer einfachen und klaren Ausdrucksweise eine ehrliche Kommunikation wichtig. Mimik und Gestik müssen stimmig zu unseren Aussagen sein. Demenzkranke haben ein feines Gespür für Authentizität.

In speziellen Gruppen für Menschen mit Demenz ist es möglich, gezielt zu fördern, gemeinsam zu genießen und sich in sozialen Rollen wieder zu erleben.

In kritischen Situationen (z.B. Aggression, Angst, „Weglauftendenz“, „unkooperatives Verhalten“) hilft es, die Gefühle zu validieren (Ursachen erspüren und einfühlend wiedergeben), Bewegungsdrang aufzunehmen (gemeinsam ein Stück gehen) aber auch abzulenken und geplante Tätigkeiten zu verschieben.

Das Wohnumfeld sollte so gestaltet sein, dass Bewegungsfreiheit und Sicherheit gegeben sind. Es sollte anregend und überschaubar sein. Eine Überstimulierung durch Radio, Fernsehen, Telefon, lautes Rufen, Hektik, etc. sollte ebenso wie Reizarmut vermieden werden. Persönliche Gegenstände und passende Kennzeichnungen (z.B. durch Farben, Symbole, Lichtintensität) helfen bei der Orientierung. Nicht vergessen werden sollte ein regelmäßiges Überprüfen von Kommunikationshilfen wie Brille und Hörgerät.

Unsere Haltung und damit die Gestaltung unserer Beziehung zu Menschen mit Demenz und ihrem Umfeld ist ausschlaggebend für deren Lebensqualität.
Mit Biografiearbeit, Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, Milieutherapie, Verhaltenstherapie, Realitätsorientierungstraining, Selbst-Erhaltungs-Therapie, Gedächtnistraining, tiergestützter Therapie, Validation, Snozelen, 10-Minuten-Aktivierung, Therapeutic Touch, Basaler Stimulation, Aromatherapie, usw. gibt es eine Vielzahl an Therapieformen und Beschäftigungsansätzen, ohne die geeignete Haltung dahinter sind sie jedoch wertlos.